Dutch Oven: Tolle Rezepte nicht nur für den Grill

 

Pünktlich zur Grillsaison hat die Köchin und Grillexpertin Mora Fütterer ein neues Buch auf den Markt gebracht. Das Buch aus der Serie „Ja ich Grill!“ Heißt „Dutch Oven“ und enthält 50 Rezepte für den gußeisernen Feuertopf.

Eigentlich ist es schade, dass Moras Werk in den Buchhandlungen wohl nur in der Grillecke landen wird – denn auch wer (wie ich) keinen Dutch Oven sein Eigen nennt, kann die großartigen Rezepte leicht auch im heimischen Backofen oder auf dem Herd nachkochen. Ein großer Schmortopf mit Deckel reicht.

Wenn ich ein neues Kochbuch anschaue, pflege ich spannende Rezepte mit kleinen Haftmarkern zum baldigen Nachkochen zu kennzeichnen. Bei „Durch Oven“ habe ich das allerdings in der Mitte des 160 Seiten starken Buchs aufgegeben – weil mir die Marker ausgegangen sind. Zu viele geile Rezepte, ich werde mir das Buch wohl in nächster Zeit von vorne nach hinten vornehmen.

Als Fleisch- und Fischesser wird man mit dem Kochbuch definitiv glücklich. Brathähnchen, gefüllte Zwiebeln, Sardinen in Tomatensoße um nur einige der Köstlichkeiten zu erwähnen. Und auch die wenigen vegetarischen Gerichte (Mora hat ein eigenes Grillbuch für Vegetarier herausgegeben), wie einen deftigen Gemüseeintopf mit Wirsing, Tomaten und Bohnen oder  ein rotes Gemüse-Kokoscurry mit Räuchertofu, kann man mit etwas Wurst, Speck oder Hähnchenfleisch leicht aufmotzen.

Durch Oven – Ja ich grill!: 50 Feuertopf-Rezepfte zum Niederknien
Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: Edition Michael Fischer / EMF Verlag; Auflage: 1 (5. Februar 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3960932715

 

 

Warum wir mehr Sommeliers brauchen

Wenn es etwas zu genießen gibt, kann man sich mittlerweile fast sicher sein, dass es dafür auch den passenden Sommelier gibt. Wein und Bier sind klar. Brot, Käse, Schokolade sind auch schon fast ein alter Hut. Auch Fleisch, Wurst und Schinken kennt man mittlerweile. Aber Wasser, oder Milch?

Bislang habe ich die Fülle von Sommeliers für eine typische Zeiterscheinung gehalten, für einen Hype, den keiner braucht. Im Gespräch mit mehreren Vertretern dieser neuen Zunft durfte ich dann feststellen, dass sie tatsächlich eine Zeiterscheinung sind – aber eine gute!

Was braucht ein Sommelier? Eine gut geschulte Zunge und Nase, ohne Frage. Jede Menge Fachwissen, damit er seine Kunden mit Geschichten rund ums Produkt begeistern kann. Und da ist das Wort, das meine Meinung über Sommeliers grundsätzlich geändert hat. „Begeisterung“. Wer sich so tief in ein Produkt einarbeitet, dass er Menschen davon überzeugen kann, muss selbst begeistert sein. Vielleicht sogar besessen. Wie jener Niederländer Bas de Groot, der als wohl weltweit einziger Milchsommelier angeblich sogar herausschmecken kann, was die Kuh gefressen hat. Auch um die Feinheiten von Wasser unterscheiden zu können, muss man eigentlich ein wenig irre sein. Positiv gemeint.

Oder, wie es der ehemalige Weltmeister der Biersommeliere, Sebastian Priller-Riegele ausdrückt: „Alles, was dazu führt, dass Lebensmittel wieder mehr geschätzt werden, ist zu begrüßen“. Dem kann ich zustimmen.

Qualität ist eigentlich immer erklärungsbedürftig. Ich brauche jemanden, der mir erklärt, warum die handgeschöpfte Schokolade besser ist als die Tafel aus dem Discounter. Wie viel Arbeit in der Herstellung steckt, wie viel – da ist es wieder – Begeisterung und Liebe.

Metzgermeister gibt es viele. Wenn sie sich zwei Wochen in die Schule setzen, um Fleischsommelier oder Wurst- und Schinkensommelier zu werden, brennen sie für ihr Produkt. Und für ihre Kunden.

Vielleicht findet sich ja sogar ein Wassersommelier der mich davon überzeugt, dass mein selbstgesprudeltes Leitungswasser nicht die Krone des Genusses ist. Wobei – da bin ich eher skeptisch.

 

Kleine Rinder mit großem Geschmack

Im Süden von Berlin ist aus einem Naturschutzprojekt ein echtes Gaumen-Highlight entstanden. Nils-Peter Czaja züchtet auf einem ehemaligen sowjetischen Truppenübungsplatz Zebu-Rinder – und produziert dabei Fleisch von herausragender Qualität.

Zebus, auch Buckelrinder genannt, stammen ursprünglich vom indischen Subkontinent und sind es gewohnt, mit mageren und trockenen Böden zurecht zu kommen. In Zossen grasen sie im „Open-Ranch“-Betrieb auf sandigem Boden und Magerrasen  im Schatten großer Windräder, und bereiten so den Boden für allerlei Insekten wie Erdbienen und -wespen.

Der Ansatz des Züchters ist ungewohnt, aber einleuchtend. Als Diplom-Fleischsommelier will Czaja vor allem optimales Fleisch – und das gibt es nur, wenn es den Tieren richtig gut geht. „Emotionale Tiergesundheit“ ist sein Geheimrezept. „Das bedeutet beispielsweise, dass bei uns die Kälber nicht von den Kühne getrennt werden“, so der Züchter. Die Tiere leben in Familienverbänden zusammen, als komplette Herden aus Muttertieren, Kälbern und Bullen.

Das Fleisch, das Czaja so produziert kommt ausschließlich „Dry-Aged“ in den Handel – und ist dann so zart, dass es auf der Zunge zergeht, wie ich selbst testen durfte. Von Czaja stammt übrigens auch der Zebu-Buckel-Schinken, den ich unlängst probieren durfte und der mich erst auf den Züchter aufmerksam gemacht hat.

Die Zebus, die auf den Wiesen um Zossen stehen, sind keine reinrassigen Zwergzebus mehr, sondern eine Eigenzüchtung, die Czaja „kleinrahmiges Zeburind“ nennt. Denn so gut die Zebus mit dem Boden zurechtkommen, so schlecht bewährten sich die an subtropisches Klima angepassten

Tiere zunächst im harten Brandenburgischen Winter. „Wir hatten Verluste bei den Winterkälbern“, berichtet der Züchter. Das Problem konnte durch Einkreuzung mit einer heimischen Rinderrasse behoben werden. Erfreulicher Nebeneffekt: Die Brandenburgischen Zebus haben einen etwas längeren Rücken und damit mehr Steaks! Ein ausgewachsenes Zwergzebu hat bei Schlachtung nur rund 120 Kilo – im Gegensatz zu 500 Kilo und mehr die ein hiesiges Rind auf die Schlachtwage bringt. Das beeinflusst natürlich auch den Preis des Zebu-Fleisches, der bei rund 50 Euro fürs Kilo liegt.

Und dann durfte ich bei der Reportage noch „Tim Klinge“ kennen lernen, aufsteigender Messerschmied und Sohn von Nils-Peter Czaja. Mit seinen 16 Jahren schleift und schmiedet der Junge Messer, die in der Community der Fleischsommeliers bereits als Geheimtipp gehandelt werden. Da scheint es recht klar, wo die Karriere des jungen Mannes einmal hingehen könnte.

Autor: Fridtjof Atterdal
Journalist, Fotograf
www.atterdal.de

 

 

 

 

Braukunst Live 2019 – Von der Leichtigkeit des Seins

Leichtes Bier rangierte für mich bisher auf einer Stufe mit Tofuwürstchen. War in meiner Genusswelt also quasi nichtexistent. Ein Vorurteil, wie ich auf der „Braukunst Live 2019“ in München erfahren durfte. Die Messe stand in diesem Jahr unter dem Schwerpunkt „Alkoholarme und -freie Biere“. Und was die Szene da zu bieten hat, ist teilweise richtig gut.

Hopfmeister hatte „Servus Sissi“ dabei, eine leichte Helle mit den Hopfensorten Sissi, Aloha und Monroe.  Spritzig, sommerlich, mit 3,5 Prozent Alkohol ein verdammt erfrischendes Bier. Für mich eine echte Alternative, wenn ich einen klaren Kopf behalten will – da geht auch noch ein Zweites.

Crew Republik sind mit ihrem Hop Junkie ihrer Linie treu geblieben – ein Session IPA mit nur 3,4 Prozent Alkohol, aber ganz viel Geschmack. Comet, Galaxy und Chinook sind hier als Hopfen zum Einsatz gekommen – eine leichte Hopfenbombe.

 

Ayinger Leichte Weiße und gleich zwei Hopfen-Königinnen – das ist ein Leben.

So etwas wie der Großvater des leichten Biers kommt von Ayinger – die Ayinger Leichte Bräuweiße gibt es schon seit 20 Jahren, ein obergäriges, hefetrübes Weizenschankbier mit 3,2 Prozent Alkoholgehalt. Die Brauer aus Oberbayern sehen Alkoholfreies als „isotonisches Sportgetränk“, wie Brauereidirektor Helmut Erdmann scherzhaft einen Mitkonkurrenten zitierte, und haben es deshalb gar nicht im Programm. Auch hier habe ich mich überzeugen lassen, leichtes Weißbier kann man trinken.

Eine weiter Erkenntnis für mich auf der Braukunst in diesem Jahr: Die Branche ist im Wandel. Weg, vom hippen Garagenbrauer –  hin zu hervorragend gemachten handwerklichen Bieren für Jedermann. Weg von Hopfen, Hopfen und noch mehr Hopfen – hin zu den althergebrachten Bierstilen, nur wieder mit Liebe und Leidenschaft eingebraut. Vermutlich bleiben dabei einige auf der Strecke, die auf den Craftbier-Zug aufgesprungen sind und jetzt nicht das Zeug dazu haben, weiter mitzuhalten. Der Verbraucher hat Qualität kennen gelernt – und das wird die Zeit hoffentlich nicht wieder zurückdrehen.

Die Braukunst wäre nicht die Braukunst, wenn man dort nicht wieder auf einige bunte Vögel der Branche getroffen wäre. Aus Estland kommt „Tanker“ – ursprünglich klassische Garagenbrauer, die in Tallinn auf hohem Niveau außerordentlich leckeres Craftbier brauen. Inzwischen haben die Esten nach eigenem Bekunden mehr als 70 verschiedene Biere gebraut. Nach einem Glas „Black Stockings“ einem unglaublich malzigen Porter, habe ich mich entschieden, auch noch noch das IPA „Reloaded“ einer genaueren Verkostung zuzuführen. Habe ich gerade etwas über hippe Garagenbrauer gesagt? Vergesst das – die Welt braucht mehr überzeugte Brauer wie die Jungs von „Tanker“.

Und dann war da noch „Heiland“, ein Doppelbocklikör, der mit dem

Slogan „Jesus würde Heiland trinken“ beworben wird. Der Likör  der Zwillingsbrüder Stefan und Max Hofstetter, mit dem nicht allzu dezenten Geschmack nach Vanilleschoten, ist durchaus trinkbar – auch wenn wohl nicht allzu viele hartgesottene Bierfans unter den Kunden sein dürften.

Wenn für Schinken die Worte fehlen

 

Als Genussmensch steht Schinken recht weit oben auf meiner Spezialitätenliste. Das Vokabular, um ein spezifisches Produkt zu beschreiben, ist allerdings noch recht eingeschränkt. Die hauchdünnen Scheiben, die ich in der Fleischerschule Augsburg probieren durfte, haben von mir das Prädikat „verdammt lecker“ erhalten. „Würzig“ und vielleicht „fest“ wäre mir auch noch eingefallen.

Im Schlaraffenland bei der Ausbildung zum Wurst- und Schinken Sommelier.

Josef Weyh, Fleischsommelier und angehender Wurst und Schinken-Sommelier aus Schwabach hat da etwas mehr Worte. Zum „optischen Profil“, was soviel wie „Aussehen“ heißt, weiß er zu sagen, der Schinken ist kräftig pökelrot, gut marmoriert und etwas stumpf. „Olfaktorisch“ riecht er eine „starke Buchenholz Rauchnote“ mit einem Hauch „Zitrone“. Und „gustatorisch“ ist der Schinken bissfest, lieblich und würzig.

Zebu-Buckelschinken – einer der teuersten Schinken der Welt.                 Fotos: Fridtjof Atterdal

Das, worum hier so große Worte gemacht werden, ist übrigens ein Buckel-Schinken vom Zebu oder Buckelrind, der von  Nils Peter Czaja vertrieben wird und den man zum Kilopreis von 599,50 Euro erwerben kann. Auch der Macher soll hier mit einer Beschreibung zu Wort kommen:

„Der Schinken entfaltet bei Zimmertemperatur all sein Charisma. Dann schmilzt das phantastisch samtige Fett sofort auf der Zunge und breitet sich unaufhaltsam aus. Damit wird der wunderbar buttrig-nussige Geschmack des Zebufleisches zu den Geschmacksknospen transportier. Danach schließt man automatisch die Augen, um diesem Genussmoment alle Aufmerksamkeit schenken zu können. Sie werden es fühlen und schmecken“

Angeblich wurde der Schinken vom Chefkoch des Grand Hyatt Berlin zu einem der fünf besten Schinkenprodukte der Welt gewählt. Wie ich schon sagte – verdammt lecker!

Diplom-Fleischsommelier Reiner Reutzel ist Experte für feine Schinken.

Die Verkostung fand im Rahmen der Ausbildung zum Wurst und Schinken-Sommelier in der Fleischerschule Augsburg statt. Fleischermeister aus der ganzen Republik bilden sich hier fort, um in der heimischen Metzgerei die Kunden mit nationalen und internationalen Spezialitäten verwöhnen zu können – und dazu auch etwas zu sagen haben. Der Kurs ist in Deutschland einzigartig. 15.000 verschiedene Sorten Wurst werden in Deutschland produziert und es werden jeden Tag mehr. Dazu kommt eine Vielfalt an nationalen und internationalen Schinkenspezialitäten. In dem zweiwöchigen Lehrgang lernen die Metzger nicht nur alles über die Herstellung von Wurst und Schinken, sondern vor allem auch Geschichten, die sie ihren Kunden erzählen können. Das Programm beinhaltet die Kulturgeschichte der Wurst, Räuchertechnologie, Material- und Tierkunde. Auch Thekenpräsentation und Foodpairing werden behandelt.

Nach Erscheinen des Beitrags haben sich bei mir Assimina Christopoulou und Michael Ehrkamp vom „Gutshof Original“ gemeldet und mir mitgeteilt, dass sie die einzigen echten Zwergzebuzüchter seien, Markenschutz auf ihren Zebuschinken haben und ich demzufolge ein Plagiat gegessen habe. Mein Blog-Beitrag wurde für den Anwalt gesichert. Der Ordnung halber halte ich das hier fest. Da es offenbar noch kein Gerichtsurteil gibt, gehe ich davon aus, Zebu gegessen zu haben – und es war SAULECKER!

 

Das ganze Schwein ein Edelteil

Auf Einladung von Sternekoch Joachim „Jockl“ Kaiser hat sich Metzger, Sternekoch und Buchautor Wolfgang Müller in die Küche von Meyers Keller in Donauwörth aufgemacht, um den Feinschmeckern im Ries die fachgerechte Verwertung eines Borstentieres näher zu bringen. Eine halbe Sau – ein deutsches Landschwein – war das Ursprungsprodukt, das „Nose to Tail“ fein säuberlich in seine fleischigen Bestandteile zerlegt wurde. Und staunend erfuhren die Gäste, dass mit etwas Kreativität aus wirklich jedem Teil des Tieres eine Köstlichkeit entstehen kann. Unter anderem Bratwürste – so lecker, dass man gar nicht mehr aufhören konnte, sie zu verspeisen.

„Schweine haben ja in der Küche nicht den besten Ruf“, bedauert Müller, der mit seinen Büchern „Schwein“ und „Wurst und Küche“ den Tieren ein kulinarisches Denkmal gesetzt hat. Ganz einfach ist es nicht, als Hobbykoch an die ausgefalleneren Teile wie Schweineschnauze oder –füße zu kommen. Denn die gehen mittlerweile fast ausnahmslos nach China, wo unsere „Abfälle“ begeistert verspreist werden. Die Chinesen bestimmen übrigens auch den Spareribs-Preis, obwohl dank Barbecue-Trend die leckeren Rippen mittlerweile auch wieder auf deutschen Tischen zu finden sind.

Was ist der Unterschied zwischen einem Koch und einem Metzger, wenn er ein Tier unter dem Messer hat? „Der Koch lebt vom Fleisch und schneidet deswegen das Fleisch perfekt sauber vom Knochen ab“, weiß Müller. Der Koch will Geschmack in der Brühe und geht deshalb großzügiger zu Werke. Von der Modeerscheinung „magere Fleischstücke“ zu schneiden hält Müller gar nichts. „Das Fett muss dran bleiben“. Wobei von seinen Koteletts – mit einem fingerdicken Fettrand leicht auch zwei Esser satt werden dürften.

„Nose to Tail“ – die komplette Verwertung des Tieres ist Müllers besonderes Anliegen. Bei ihm gibt es dann Kroketten – außen kross und innen cremig – die aus gekochter und gewolfter Schwarte, Béchamele-Sauce, Kräutern und Pilzen gemacht werden. „Aus dem Kopf können elf verschiedene Gerichte entstehen“, verrät er. Das Herz wird, sauer angemacht mit Zwiebeln, zu einem auf der Zunge schmelzenden Salat.

Wenn man Müllers Bratwurst gekostet hat, die schließlich aus Fleischabschnitten und Bauchspeck entsteht,  will man nie mehr eine der Nitratpökelsalz- und Geschmacksverstärkerbomben aus der Metzgerei. Salz, Pfeffer, Majoran und etwas Muskatblüte – mehr kommt nicht hinein. „Man muss den Fleischteig kräftig kneten, damit  das Eiweiß abbindet“, erklärt er.

Und hat noch weitere Tipps für die Hobbymetzger auf Lager. So soll man das Fleisch in kleine Würfel geschnitten im Tiefkühler anfrieren lassen, wenn man nur einen kleinen „Haushaltsfleischwolf“ zur Verfügung hat. „Dann wird das Fleisch nicht so schnell warm und schmiert nicht“, sagt er. Soll Knoblauch in die Wurst, muss dieser zuvor in Alkohol eingelegt werden, damit er beim Reifen nicht ranzig wird. Auch Zwiebeln dürfen nur in die Wurst, wenn sie gleich gebraten wird.

„Was ist das jetzt Edelteil beim Schwein?“, will er zum Abschluss von den Gästen wissen. „Das ganze Tier“, darin ist man sich jetzt einig.

Meyers Keller im Internet

Autor: Fridtjof Atterdal
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Erde, Triebe und leckere Schweinereien

Wenn im Restaurant Lago am See die Menükarte wechselt, lädt das Team um Sternekoch Klaus Buderath zur Kochwerkstadt in die Showküche des Hotels in der Ulmer Friedrichsau. Im kleinen Kreis kann man den Könnern dort über die Schulter blicken, sehen, wie hochwertigste Lebensmittel in der Spitzengastronomie verarbeitet werden und alle Fragen loswerden, die man einem Kochprofi schon immer mal stellen wollte. Doch nicht nur die kulinarischen Genüsse stehen bei der Kochshow im Mittelpunkt – zu jedem Fachbereich lädt das Lago einen Referenten, der von seiner Passion für Lebensmittel zu berichten weiß.

Viermal im Jahr gibt es im Lago ein neues, an die Jahreszeit angepasstes Menü. Zum Wechsel in den Fachbereich „Erde und Triebe“ verriet Judit Wohlfarth vom Hofgut Silva, wie viel Einsatz es braucht, um das beste Schweinefleisch produzieren zu können. Auf weitläufigen Weidehängen, auf Streuobstwiesen und unter Kastanien wachsen am Rand des Schwarzwaldes in extensiver Freilandhaltung Berkshire und Tamworth-Schweine heran, die dann zu extrem leckeren Produkten wie Räucherschinken, Gewürzspeck oder Blutwurst verarbeitet werden. Wie anders ein mit so viel Hingabe produzierter Schinken schmeckt (vor allem wenn man ihn mit frischem Spargel, jungen Kartoffeln und einer wunderbar sämigen Sauce Hollandaise serviert), konnten die Gäste der Kochshow live erleben.

Dass „Erde und Triebe“ in den richtigen Händen zum Hingucker werden, bewies Klaus Buderath schon bei der Vorspeise – Forelle, Haferwurzel und Erbsentriebe. Die Haferwurzel, die ein wenig an ein hutzeliges Märchenwesen erinnert, schmeckt gegart überraschend nach Topinambur und Schwarzwurzel. Und ebenfalls für viele Gäste neu war, wie saftig und zart eine Forelle schmeckt, wenn sie bei nur 42 Grad gegart wurde.

Eine Reminiszenz an die Hamburger Wurzeln des Kochs war seine Kreation „Scholle, Krabbe, Ei“ – natürlich auf eine Art fernab der nordischen Imbissbudenzubereitung interpretiert. Die „Triebe“ wurden hier mit einer Frankfurter Kräutersauce repräsentiert, der Speck war eine aufwendig gepoppte Schweineschwarte und die Scholle ein nur kurz mit dem Bunsenbrenner angeheiztes Gedicht. Hier gab es wieder einen Trick aus der Küche zu lernen: Das wachsweiche Eigelb entsteht, wenn man ganze rohe Eier einfriert und dann wieder auftauen lässt, verriet Buderath.

Insgesamt hat das Erde und Triebe-Menü sechs Gänge und wird durch einen Nachtisch aus Rhabarber, Erdnuss und Rübenkraut abgeschlossen. Bis zum 31. Mai gibt es das Menü, danach wechselt es zum Fachbereich Feld und Garten.

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Autor: Fridtjof Atterdal
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Amerikanische Bierträume

Die Sierra Nevada Brewing Company aus Kalifornien und die Riegele Braumanufaktur haben gemeinsam den Braukessel angeworfen. Dabei sind zwei extrem trinkenswerte Biere entstanden.

 

Brau-Legende Ken Grossman persönlich hat in Augsburg gemeinsam mit Sebstian Priller das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Riegele Braumanufaktur und der Sierra Nevada Brewing Company aus Kalifornien vorgestellt: Bei einem bayerisch-amerikanischen Surf & Turf im Biergarten der Braumanufaktur gab es die ersten Kostproben des Bayerisch Ale 2, das die Familienbrauereien als „Collaboration Brew“ gemeinsam ausgeheckt haben. Für das Bier haben die Braumeister einigen Aufwand betrieben – sechs Hopfensorten, zwei Malztypen und dreierlei Hefestämme wurden dabei verwendet, wie Braumeister Frank Müller bei der Präsentation stolz aufzählte. Herausgekommen ist ein frisches Sommerbier mit Fruchtnoten von Maracuja, Pfirsich und Aprikose.

Grossman hatte dafür noch einige Flaschen seines „Oktoberfest-Beer“ im Gepäck, das er im vergangenen Jahr mit dem Riegele-Brauteam in Kalifornien gebraut hatte und das es sonst nur auf dem nordamerikanischen Markt zu genießen gibt.

Ken Grossman – seit 36 Jahren im Craftbier-Geschäft, einer der erfolgreichsten amerikanischen Brauer und mittlerweile Bier-Milliardär, lobte die Zusammenarbeit mit der bayerischen Brauerei. Er habe viel von den Riegele-Braumeistern gelernt und bewundere die Tradition und das Wissen der Augsburger. „Wir sind beide Familienbrauereien, unsere Kinder packen mit an und wir teilen die Leidenschaft für großartiges Bier“, so der Amerikaner.

Riegele Braumeister Müller war ebenfalls voll des Lobes für die Kollegen aus Kalifornien. „Hier sind zwei Brauereien zusammengekommen, die quer denken und stets nach neuen Inspirationen suchen“, sagte er. Besonders angetan war er von der Wissbegierde, mit der Grossman an die Kooperation herangegangen sei.

Was die beiden Brauereien als nächstes aushecken, wurde nicht verraten. Nur so viel, war Grossman zu entlocken: „Wir arbeiten an weiteren Projekten mit Riegele.“

Camba Old Factory

In der Camba Old Factory in Gundelfingen braut sich etwas Leckeres zusammen. Wenn es nach dem neuen Braumeister Enzo Frauenschuh geht, soll hier ein neues Craftbier-Mekka entstehen.

Gundelfingen ist ja nun mal nicht der Nabel der Welt. Aber für die Craftbier-Szene braut sich da etwas Spannendes zusammen. Ob der kleine Ort bei Günzburg wirklich zum Brau-Mekka werden wird, wie der neue Braumeister Enzo Frauenschuh glaubt, muss die Zeit zeigen. Doch die Anlage mit einem 20 Hektoliter-Sudwerk und künftig einer eigenen Dosenabfüllung hat eine Menge Potenzial.

IMG_2251 2Die Camba Old Factory soll das Zuhause werden für Gypsy-Brauer aus Deutschland und Europa. Schon jetzt sei das Interesse groß, so Frauenschuh – sogar aus Südafrika gibt es erste Anfragen. Gypsy-Brauer sind Brauer, die sich in fremde Produktionsanlagen einmieten. Oft bringen sie nur ihr eigenes Rezept mit und lassen das Bier vor Ort von dem Brauteam herstellen. Nicht so in Gundelfingen, so Frauenschuh. „Hier können sie vom ersten Schritt bis zur Abfüllung alles selbst machen – wir führen sie in die Anlage ein und stehen ihnen mit Rat zur Seite“, erläutert er das Konzept.

Und weil die Dose weltweit immer beliebter wird, können die Kleinbrauer hier ihr Bier formvollendet in Aluminium abfüllen – das konnten bisher nur die ganz großen Brauereien bieten.

IMG_2254 2Rund ums Selbstgebraute soll sich eine bunte Bierwelt ansiedeln, ein Biergarten mit Craftbier-Ausschank, und ein Biershop sind bereits vorhanden. 40 Minuten von Augsburg entfernt und rund eine Stunde von München, ist die Camba Old Factory ein Ort, den Bierliebhaber im Auge behalten sollten.

 

Autor: Fridtjof Atterdal
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Bier. Kult. Getränk

Wer an Stout denkt, denkt an Guinness. In Dublin kann man im Guinness Storehouse in den Kult um das Getränk eintauchen – oder den Touristen beim ehrfürchtigen Genuss ihres Pint über die Schulter schauen.

IMG_2110Ein Glas Bier unfallfrei zu zapfen fordert eine gewisse Kunstfertigkeit. Doch nirgends wird darum so ein Kult veranstaltet wie im Guinness Storehouse in Dublin. Hier gibt es dafür sogar eine eigene Akademie – und ein schickes Zertifikat, wenn man sein erstes Guinness pechschwarz und mit sahnigem Schaum, in der Hand hält. 119,5 Sekunden dauert es, das perfekte Pint einzuschenken, haben die Brauexperten ausgerechnet. Das Glas locker im 45 Grad-Winkel in der Hand, der Schriftzug zeigt nach vorne und dann wird der Zapfhahn beherzt nach vorne gezogen. Der Guinness-Angestellte im schwarzkarierten Hemd schaut dabei, als hätte er gerade Einsteins Relativitätstheorie erklärt. Die Touristengruppe schaut ehrfürchtig zurück. Damit das Bier so schick und mit beinahe schnittfestem Schaum aus dem Fass kommt, wird dem Guiness Draught übrigens ein Gemisch aus 30 Prozent Kohlensäure und 70 Prozent Stickstoff beigemischt.

IMG_2051Im Guinness Storehouse ist alles größer. Die Ausstellung, der Shop, selbst das Gebäude entsprechen dem XXL-Image, mit dem sich die Brauerei gerne umgibt. Ob man die Mutter alles Stout-Biere nun mag oder nicht – das Museum ist für Bierfans allemal sehenswert. Sieben Stockwerke hoch und in der Form eines Pint-Glases ragt das Storehouse im Herzen der legendären St. James’s Gate Guinness Brewery in Dublin auf. Die Brauerei steht übrigens dort, seit Arthur Guinness das Gelände 1759 für 9.000 Jahre gepachtet hat, wie man in der Ausstellung lernen kann.

IMG_2060Auf dem Weg durch die Stockwerke arbeitet man sich vom riesigen Guinness-Store über die Geschichte der Brauerei und Kunst der Bierherstellung nach oben, wo Verkostungsräume, ein ganzes Stockwerk mit Guinness-Werbung und die Guinness-Akademy auf die Besucher warten. Das „Schaumkrönchen“ im Guinness-Storehouse ist die Gravity Bar, von der man ein beeindruckendes Panorama hoch über den Dächern von Dublin genießen kann – natürlich mit seinem selbstgezapften Guinness.

IMG_2066Die Ausstellung ist aufwendig gestaltet. Beim Thema Brauwasser kann man gleich indoor einen kleinen Wasserfall bestaunen. Filme über den Brauprozess laufen auf riesigen Bildschirmen, die in alte Braukessel eingebaut, einen virtuellen Blick „in die Töpfe“ erlauben. Das Kino ist in ein Fass eingebaut, das Platz für 720.000 Pints des Bieres aufnehmen könnte.

IMG_2073Da kann man dann auch lesen, dass die Brauerei 100 „brews“ die Woche macht – drei Millionen Pint verlassen jeden Tag die Brauerei, um in 250 Ländern getrunken zu werden.

IMG_2095Im zweiten Stock des Museums liegt ein süßlicher Geruch in der Luft. Wer hier von der Rolltreppe steigt, wird von einer freundlichen jungen Dame darauf hingewiesen, dass gleich die nächste Verkostung ansteht. „Come on, it’s free.“ In einem futuristischen weißen Raum stehen mehrere Säulen, aus denen weißer Dampf wabert. Hier kann man die einzelnen Bierbestandteile „sensorisch“ eigennasig kennenlernen. Hopfen, geröstete Gerste, Malz und Bierester werden hier in Wasserdampf als Geruchsprobe gelöst. Lustiger ist es dann im Nebenraum, in dem man unter dem strengen Blick von Arthur Guinnes (angeblich dem einzigen Gemälde des Brauereigründers) lernt, wie man sich das Bier fachgerecht wie ein Bier-Sommelier in den Rachen kippt.

IMG_2080Sehenswert ist auch die Ausstellung über die Kunst des Fassmachens – in einem historischen Film schaut man einem Meister über die Schulter, wie er aus groben Holzbohlen ein luft- und wasserdichtes Bierfass zimmert.

IMG_2120Das Storehouse ist Irlands Touristenattraktion Nummer Eins, wie das Unternehmen verkündet. 1.498 124 haben 2015 das Museum besucht. Gerade hat es die Auszeichnung als „Europe’s leading tourist attraction“ beim „World Travel Award“ erhalten und darf sich damit auf eine Stufe mit der Acropolis, dem Buckingham Palace, dem Colosseum und dem Eiffel-Turm stellen.

www.guinness-storehouse.com

 

IMG_2114Autor: Fridtjof Atterdal
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